Heute ist kein guter Tag. Ganz und gar kein guter. Während Sie diese Zeilen lesen, bin ich dabei, meinen neuen iMac (sprich: Ei-Mäck) einzupacken und an die Apple-Pressestelle zurückzuschicken. Sehr betrüblich. Das Testgerät zu behalten kostet entweder 2550,48 Euro oder zwei Jahre Haft. Beides ist nicht drin. Also: Ade, digital Lifestyle.
Digital Lifestyle. Zugegeben, die iMac-Werbefloskel, so, wie Apple sie meint, ist ziemlicher Blödsinn. Wer glaubt, ein elektronisches Fotoalbum, eine MP3-Musiksammlung, die Möglichkeit zum DVD-Angucken und -Brennen auf dem iMac machen einen modernen Menschen oder Lebensstil, der hat erstens den letzten Schuss nicht gehört und zweitens noch nie vor einem iMac-Konkurrenzprodukt mit dem Betriebssystem Windows gesessen. Die können das alles nämlich auch. Vielleicht besser, bestimmt billiger.
Allerdings nicht schöner.
Im iMac-Fuß mit einem Durchmesser von 26,5 Zentimetern stecken 800 MHz Prozessortakt (mehr brauchen nur blutige Ballerspiele, die eh nicht zum modernen Menschen passen). Außerdem 60 Gigabyte Festplatten- und 256 Megabyte Arbeitsspeicher. Dazu ein 56-er-Modem, eine 100-Megabit-Netzwerkkarte, drei USB-Eingänge, zwei Firewire-Anschlüsse und ein Laufwerk zum Lesen und Beschreiben von CDs, CD-RWs, DVDs und DVD-Rs. Nicht zu vergessen eine 32-Megabyte-Grafikkarte. Und schließlich noch ein Lüfter. Und der ist auf jeden Fall leiser ist als das, was die so genannten Singvögel zurzeit an jedem Morgen gegen 4.45 Uhr in einem Groß-Buchholzer Vorgarten veranstalten.
Und das wiederum ist noch gar nichts gegen das, was Freunde und Verwandte tagsüber in einem Groß-Buchholzer Wohnzimmer veranstalten: „Geil“, „irre“, „habenwollen!“ heißt es da, wenn sie vor dem iMac stehen. Und einer sagt: „Aber wo ist denn der Rechner? Wie, da drin?“ Mit einiger Ehrfurcht und zunächst zaudernd berührt das Publikum den flachen Bildschirm auf dem schwenkbaren Chromgelenk. So streicheln andere ein Haustier. Ich vergesse die im vorigen Absatz genannten Protzerzahlen ganz schnell wieder. Will gar keiner wissen. Sie würden zudem augenblicklich den Moment entwürdigen.
Und das tut der kurz darauf von allein. Denn wie aus dem Nichts in der Mitte des Wohnzimmers pulst plötzlich die Frage „Wozu noch so eine – zugegeben: wunderschöne – Kiste anschaffen, wenn doch auf der CeBIT gerade erst das Ende des PCs beschlossen wurde, wenn doch die Zukunft des digitalen Lebensstils in hemdentaschengerechten Online-Alleskönnern mit komplettem UMTS-Schnickschnack steckt?“
Sprachlosigkeit. Schließlich gibt es eine Einigung: Vom Jetzt bis zur Zukunft ist es ja noch eine Weile, und für diese Übergangszeit ist der neue iMac die schönste Übergangslösung.
Aber nicht für mich. Ich muss ihn verpacken und zurückgeben. Traurig, traurig. Deshalb zum Trost hier noch einmal die
Highlights der vergangenen 14 iMac-Tage:
Hier spielt die Musik: Wer nach dem Kauf des iMac noch Geld hat, kauft einen iPod und pflegt die Musiksammlung auf beiden. Der MP3-Player hat den Jogging-Test am Mittellandkanal bestanden. Toller Sound, ruckelfrei, und das Gerät speichert so viele Lieder, dass es sich rein rechnerisch bei 30 Marathons nicht wiederholt.
Rauschendes Fest: Die Kugellautsprecher des iMac sind phänomenal. Kaum größer als ein Baseball, aber ganz schön groß im Klang. Je lauter, desto besser. Leise macht keinen Spaß, denn dann ist ein zu lautes Grundrauschen fast wie im Mittelwellenradio zu hören.
Gehorsamer Wortwitz: Der iMac hat ein eingebautes Mikrofon links unten im Flachbildschirm. Das Betriebssystem OS X hat eine Sprachsteuerung – auf dem Testgerät leider nur für Englisch. Auf die Aufforderung „Tell me a joke“ haut der iMac Kalauer raus – leider amerikanischen und keinen britischen Humor.
quelle: volker widersheim hannoversche allgemeine zeitung. auszug.
ja. ja die hannoveraner. es gibt sie noch die fans unter den zeitungsredakteuren. man muss sie nur finden.
